Die Berichte über die Chorreisen:

  • 15. bis 22. Mai 2016 nach Lemberg, Odessa und Kischinau
    (mit der Jungen Kantorei Freiburg) Plakat Heidelberg, Plakat Kischinau, Reisebericht.

  • 16. bis 18. Oktober 2015 nach Ascona (mit der Jungen Kantorei Freiburg)
    Chorkonzert und Gottesdienst in der Evangelischen Kirche. Konzertprogramm und Gruppenbild

  • 18. bis 23. Juni 2014 nach Lund / Schweden, (mit der Jungen Kantorei Freiburg)
    Programm: Komm Jesu komm und Singet dem Herrn ein neues Lied, Motetten von Joh.Seb. Bach

  • Vom 28. Oktober bis 5. November 2012 auf die Krim.
    Kurzer Bericht mit Bildern und Reisebericht von Dorothea Eberhardt.

  • Mit dem "Weihnachtsoratorium" nach Weißrussland 4. bis 10.1.2010.

  • Mit ´Paulus´ nach Damaskus Berichte über die Chorreise vom 10.bis 18. Mai 2008.

  • Vom 14. bis 18. Juni 2006 nach Lund / Schweden

  • Vom 26.12.2005 bis 2.1. 2006 nach Lemberg.

  • Vom 6. bis 14. Juni 2003 nach Sizilien.

  • Bericht über die Sizilien-Reise in der Zeitschrift "Standpunkte".

  • Vom 6. bis 8. Dezember 2002 nach Florenz.













  • Bericht in der RNZ über die Fahrt in die Ukraine
    von Magdalena Tonner





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    Messiah, Mond und Mittelmeer

    Und wieder einmal waren wir mit der Studentenkantorei auf Konzertreise in Italien. Nach unserem Florenzbesuch im letzten Dezember hieß das Ziel nun Sizilien.

    Von Pfingstsamstag an verbrachten der Chor, Chorleiter Christoph Schäfer und die vier Solisten Petra Hoffmann, Sibylle Kamphues, Hans Jörg Mammel und Michael Roman neun Tage auf der wunderschönen Insel. Der erste Höhepunkt war die musikalische Ausgestaltung der Messe in San Saverio von Palermo an Pfingstsonntag mit Bachs Motette "Der Geist hilft unser Schwachheit auf" und Werken von Schubert und Luther.

    Durch persönliche Kontakte des Pfarrers dieser Gemeinde, Don Cosimo, zu dem Heidelberger Pfarrer und Studentenkantoreimitglied Hans Kratzert, war die Idee zu dieser Reise entstanden. Von italienischer Seite war der Wunsch geäußert worden, Händels Oratorium "The Messiah" nach Sizilien mitzubringen (die instrumentale Begleitung übernahm das Orchester der "Accademia di Palermo"); es konnte nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, ob jemals zuvor dieses Werk auf dieser Mittelmeerinsel erklungen ist, bei den drei Konzerten der Studentenkantorei war die Begeisterung der Zuhörer jedenfalls deutlich zu spüren und zu sehen.
    In Palermos schöner Kathedrale fand an Pfingstmontag die erste Aufführung statt, im Publikum auch der Kardinal und der Erzbischof von Palermo, die beide die Heidelberger Gäste aufs Herzlichste willkommen hießen. Nach einem herrlichen Ferientag mit Stadtführung durch Palermo, Besichtigung der Benediktiner-Abtei San Martino und des Klosters Monreale, verbrachten wir den folgenden Tag in Agrigento. Das dortige "Tal der Tempel" war unsere erste Station, hervorragend erläutert von Albrecht Germann, der uns auch später in Segesta und Syrakus so manche Tempel, Trümmer und Theater näher brachte. Nach einem erfrischenden Meerbad brachen wir dann, recht salzig, zu unserem zweiten Konzert in den Dom von Agrigento auf.

    In ganz besonderer Atmosphäre fand unser letztes Konzert im Dom von Syrakus statt: Der einstige Athena-Tempel aus dem 5. Jh.v. Chr., dann frühchristliche Kirche, unter den Normannen mit neuer Fassade und Fenstern in den Wänden der ehemaligen cella versehen, bekam nach einem schweren Erdbeben im Jahr 1693 eine neue Vorderfront. Ein Gotteshaus wie dieses ist auf der ganzen Welt einzigartig; darin konzertieren zu dürfen, ein unbeschreibliches Erlebnis.

    Als wir nach dem Konzert auf der prachtvollen Freitreppe dieser Kirche "Der Mond ist aufgegangen" anstimmten, und dies bei Vollmond, waren wir uns einig, die Einladung des Erzbischofes von Agrigento, wieder einmal auf Sizilien zu konzertieren, auf jeden Fall in nicht allzu ferner Zukunft anzunehmen.

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    Mit dem Messias durch Sizilien

    Auch wer noch keine Konzertreise ins Ausland mit einem Chor oder Orchester mitgemacht hat, kann sich das leicht vorstellen. Man ist zu Empfängen bei irgendwelchen Regierungs- oder Verwaltungsvertretern eingeladen, die sich meist schweren Herzens eine halbe Stunde abringen lassen, um kleine Präsente zu verteilen, die die Gastgeberstadt in guter Erinnerung halten und zu Hause für sie werben sollen. Wenn man Glück hat, bekommt man eine Stadtrundfahrt und hat ansonsten die schöne Möglichkeit, die eigene Gruppe besser kennen zu lernen. Dann singt man seine Konzerte und ist froh, wenn sich die Veranstaltungsorte wenigstens halb füllen und das Publikum von der ungewohnten Musik begeistert ist.

    Auch die Reise der "Heidelberger Studentenkantorei" durch Sizilien in der Pfingstwoche hatte einige dieser Elemente, ging aber weit darüber hinaus. Vor fast zwei Jahren hatten die miteinander befreundeten Pfarrer Hans Kratzert aus Heidelberg und Cosimo Scordato aus Palermo die Idee, den "Messias" von Georg Friedrich Händel in Palermo aufzuführen, ein Stück, das in Sizilien - wenn überhaupt - vielleicht alle zwanzig Jahre einmal gespielt wird. Don Cosimo Scordato, Professor an der Päpstlichen Theologischen Fakultät von Sizilien, entwickelte dieses Projekt dann weiter zu einem ökumenischen Treffen der besonderen Art. So wurde für den Chor, der an der evangelischen Heidelberger Heiliggeistkirche seine Heimat hat, ein palermitanisches, also katholisches Orchester als Begleitung gewählt. Und es wurden die Konzerte in Palermo und Agrigent den dortigen katholischen Ortsbischöfen gewidmet, die jeweils ihre 50-jährige Priesterweihe feierten. Der Höhepunkt dieses Treffens der Konfessionen war aber schon am Tag nach der Ankunft des Chors der Pfingstgottesdienst in einer katholischen Gemeinde in Palermo, den der Chor mit Motetten von Bach ("Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf") und Luther (!) musikalisch gestaltete und in dem das Abendmahl unter beiderlei Gestalt von zwei katholischen Priestern und einem badisch-unierten Pfarrer gereicht wurde. Auch die Kirchengebäude, in denen die Konzerte stattfanden, drücken etwas von Überkonfessionalität aus: Die Kathedrale von Palermo ist im arabo-normannischen Stil von muslimischen Architekten gebaut, der Dom von Syrakus ist der umgebaute Hera-Tempel aus dorischer Zeit, an dem noch fast alle Säulen zu sehen sind.

    Die Konzerte selbst waren ein Genuss. Der gewohnt sichere und gute Heidelberger Chor und das junge, aufstrebende Orchester der palermitanischen Musikakademie harmonierten bestens unter dem Dirigat von Christoph A. Schäfer aus Heidelberg. Ihm war es gelungen, ein hervorragendes Solistenquartett (Petra Hoffmann, Sopran, Sibylle Kamphues, Alt, Hans Jörg Mammel, Tenor und Michael Roman, Bass) zu gewinnen. Insbesondere Hans Jörg Mammel erhielt in allen drei Konzerten er für seine Art, der Musik ein eigenes Leben zu geben, nach seinen Arien spontanen Applaus. Überhaupt kam der "Messias" beim zahlreichen Publikum - allein in Palermo war die Kirche mit fast 2.000 Besuchern völlig überfüllt - ausgesprochen gut an, sodass der Chor in Syrakus auf Verlangen des Publikums das berühmte "Halleluja" sogar noch einmal wiederholen musste.

    Obwohl die Organisation der Reise ein bisschen "sizilianisch" war - so begann ein Abendessen auch mal um 1.30 Uhr in der Nacht -, konnte der Chor doch auch die Hauptattraktionen der Insel genießen, griechische Tempel in einer atemberaubenden Schönheit und Ganzheit, direkt neben arabischen, normannischen und mittelalterlichen Gebäuden und Städten, und immer einen Steinwurf entfernt das klare, warme Mittelmeer mit seinen Sandstränden, das nach langen Besichtigungstouren zum Baden einlud. Im Chor gab es überdies einen Experte für das "Amerika der Antike", der Einblicke in die Geheimnisse dieser Insel, dem einst größten Kolonisierungsprojekt der Geschichte, geben konnte und Hunger weckte auf die weiteren Erkundung dieses Landes mit seiner großen Gastfreundschaft, grandiosen Landschaft und unerschöpflichen Kultur. Und die Unterbringung im bestens geführten (und sauberen) Gästehaus der Waldenserkirche in Palermo-Noce bot ein hervorragendes Refugium während aller Konzert- und Reiseanstrengungen.

    Mit dieser Reise wurde wenige Tage nach dem Berliner Kirchentag über 2.500 km entfernt ein ganz anderes Stück Ökumene wahr, und als der Chor schon wieder abgereist war, haben mir viele Gemeindemitglieder in Palermo gesagt, dieses Pfingstfest sei das schönste und beeindruckendste Pfingsten ihres Lebens gewesen.


    Lucio Bisacquino

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    Mit Bach in Florenz
    Chorreise vom 6. bis 8. Dezember 2002


    Auf Einladung des Heidelberger Verkehrsvereins reisten wir, die Heidelberger Studentenkantorei, am zweiten Adventswochenende 2002 nach Florenz. Anlass war die dortige Eröffnung des Heidelberger Weihnachtsmarktes. Zwischen unseren musikalischen Aktivitäten in Heiliggeist – Konzert am ersten Advent und Probenwochenende am dritten Advent für unsere "Messias" - Aufführung am vierten Advent – trafen wir uns also am frühen Nikolausmorgen um 3 Uhr am Hauptbahnhof, bzw. etwas später in Handschuhsheim, von wo aus wir per Bus nach Hahn im Hunsrück chauffiert wurden.

    Einchecken, Flug mit Ryanair nach Pisa, Transfer von dort ins Grand Hotel Mediterraneo in Florenz – alles klappte wunderbar, da machte es uns gar nichts aus, dass das angekündigte Mittagessen im Hotel wegen Streiks des Personals entfallen musste und aus demselben Grund auch einige Hotelzimmer noch nicht fertig waren.

    Nach einer Probe im Hotelfoyer ging es am späten Nachmittag auf die Piazza Santa Croce zur Eröffnung des Heidelberger Weihnachtsmarktes. Auf den Treppen zu Santa Croce, der Grabkirche berühmter Persönlichkeiten wie Rossini und Michelangelo, sangen wir im Angesicht des Weihnachtsmarktes und vorüberziehender Kehrmaschinen und Kleinbusse "Es ist ein Ros entsprungen", "Tochter Zion" u.a.m. Duft von Glühwein, Bratwurst und Sauerkraut, die Anwesenheit des Heidelberger Christkindes und des Verkehrsvereinsleiters Nils Kroesen – fast wähnten wir uns auf dem Heidelberger Marktplatz.

    Schon während des Singens wurde unser Blick auf einen Tisch am Anfang des Weihnachtsmarktes gelenkt: Champagner und allerlei Köstlichkeiten schienen auf uns zu warten. Doch: Für die Büffeteröffnung wurde ein wichtiger Vertreter von Firenze erwartet. Wann und ob dieser überhaupt erschien – wir erfuhren es nicht, denn unser Bus wartete, um uns ins nahegelegene Prato zu bringen, wo unser erstes Konzert stattfand. Nach einer Probe gab es dann doch noch eine Stärkung für uns: Belegte Brötchen und allerlei Getränke, da waren Champagner und Schnittchen schnell vergessen.

    Pünktlich um 21 Uhr erklang dann im vollbesetzten Dom "Jauchzet, frohlocket"- es folgte begeisterter Beifall des Publikums, das auch nach fast jeder weiteren Nummer freudig applaudierte. Eine neue Erfahrung für uns.

    Auf der Rückfahrt nach Florenz bewiesen unsere Männer, dass sie nicht nur stimmgewaltig sind, sondern auch körperlich zu Höchstform auflaufen können: Ein parkendes Auto, das unserem Bus die Weiterfahrt verwehrte, wurde – unter den verwunderten Blicken einer dabeistehenden Dame – mit vereinten Kräften zur Seite gehoben. Die Begeisterung der im Bus wartenden Chordamen schlug in schallendes Gelächter um, als besagte Dame anschließend aus ihrer Handtasche einen Schlüssel zog, das mühsam zur Seite gehievte Auto aufschloss und davonfuhr. Bei Pizza und Rotwein klang der Abend gemütlich aus.

    Den folgenden Tag konnte man nach eigenem Belieben gestalten – Dom mit Baptisterium, Uffizien, Boboligärten, S.Miniato al Monte und die herrlichen Markthallen waren die Top Five. Um 19 Uhr trafen wir uns dann in Santa Croce – eigentlich zur Probe. Doch als wir den schönen Kreuzgang betraten, war dort ein köstliches Büffet aufgebaut. Erst als wir unsere Oberbürgermeisterin Beate Weber dort erblickten, verstanden wir, dass die Speisen und Getränke uns zugedacht waren; da musste die Probe natürlich etwas warten.

    Nach einer Begrüßungsrede von Beate Weber (auf italienisch) begann dann - wieder vor großem Publikum - unser zweites Konzert mit Bachs Weihnachtsoratorium, Teile I-III – dies bei sehr frischen Temperaturen – so frisch, dass die Oboen d’amore des italienischen Orchesters aus Angst um ihre Instrumente während des Konzertes plötzlich einen kleinen Streik einlegten.

    Schließlich konnten wir doch mit dem gesamten Orchester zuende musizieren und die Zuhörer dankten mit langanhaltendem Applaus allen Ausführenden, neben Chor und Orchester unseren vier hervorragenden Solisten Elke Dittmann-Bauer, Nina Amon, Jörg Brückner und Thomas Berau und natürlich unserem Dirigenten Christoph Schäfer, dessen stoische Ruhe während des Konzertes so mancher sehr bewunderte.

    Abermals dauerte es noch etliche Stunden, bis uns unsere Betten wiedersahen, denn zum Schrecken der Ober fielen wir in dieselbe Pizzeria wie am Vorabend ein, günstigerweise in unmittelbarer Nachbarschaft unseres Hotels. Gemeinsam mit etlichen Orchestermusikern, unseren vier Solisten, Beate Weber und Nils Kroesen feierten wir ausgiebig unsere beiden gelungenen Konzerte.

    Sonnenschein und blauer Himmel begrüßten uns am darauffolgenden Tag, dem zweiten Advent. Wieder ging es auf verschiedene Erkundungstouren und natürlich zum Shoppen von Pasta, Panforte und Parmesan, bevor wir dann um 18 Uhr vom Hotel aus die Heimreise antraten – via Pisa gen Hahn.

    Gegen 0.30 Uhr hatte Heidelberg uns wieder und am Abend trafen wir uns wie gewohnt zur montäglichen Chorprobe im Schmitthennerhaus.

    Nils Kroesen und seinem Team, ganz besonders Lucia Hierholzer, danken wir sehr, dass uns diese erlebnisreiche Reise ermöglicht wurde.

    Birgit Seele



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